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Schloß Herringhausen

Im Norden von Herringhausen an der Ortsgrenze zu Hellinghausen liegt Schloss Herringhausen. Eigentümer des Schlosses und der Ländereien ist die Familie der Freiherrn v. Schorlemer.


Schloss Herringhausen - Nordansicht

Die Familie von Schorlemer erscheint zuerst urkundlich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Sie besaß zu dieser Zeit den Haupthof Friedhartskirchen und den Hof in Overhagen. Beide Höfe waren Eigentum des Domkapitels zu Köln und den von Schorlemer zunächst als Pachtgut, dann als Lehen übertragen worden. Im Besitz dieser Höfe und gestützt auf die zum Haupthof gehörige Gerichtsbarkeit gelang es den von Schorlemer, westlich von Lippstadt die Unterherrschaft Friedhartskirchen zu errichten, deren Umfang sich mit dem Kirchspiel Hellinghausen deckte (Pfarrgemeinde St. Clemens mit den Dörfern Overhagen, Herringhausen und Hellinghausen).


Schloss Herringhausen auf einer alten Grußkarte

Innerhalb dieser kleinen Herrschaft entstanden durch Familienteilungen die Rittersitze Ober- und Niederhellinghausen, Herringhausen und Overhagen. Auf diesen saßen zeitweise verschiedene Linien der Familie von Schorlemer.


Schloss Herringhausen – Südansicht

Im 16. Jahrhundert gründete Rembert v. Schorlemer das Rittergut Herringhausen. Leopold Anton Wilhelm v. Schorlemer heiratete im Jahre 1715 Anna Franziska Theresia v. Niehausen. Drei Jahre später begann man mit der Planung eines neuen Familiensitzes in Herringhausen. Vermutlich wurden Pläne des Architekten Justus Wehmer aus Hildesheim herangezogen. Unter der Leitung des Steinhauers Bartholomäus Rabaliatti wurde mit dem Bau begonnen. 1722 wurde der Vertrag mit Rabaliatti gekündigt, und der Tiroler Steinhauer Valentin Springer trat die Nachfolge an. Es entstand ein zweigeschossiges Herrenhaus mit Mansarddach, übergiebelten Mittelrisaliten und doppelläufiger Freitreppe.


Schloss Herringhausen – Blick auf die doppelläufige Freitreppe

Im Jahre 1730 starb der Bauherr Leopold Wilhelm Anton v. Schorlemer im Alter von 52 Jahren. Die vollständige Einrichtung des neuen Herrensitzes war ihm nicht gelungen. Sein Sohn Joseph Clemens (1716 bis 1773), der mit Maria Franziska v. Brenken verheiratet war, errichtete die östlichen Vorgebäude mit einer Tordurchfahrt.


Schloss Herringhausen – Blick auf das östliche Vorgebäude mit Tordurchfahrt

Erwähnenswert ist das alte Brau- und Backhaus, das seit vielen Jahren als Rinderstall und letztlich als Garage genutzt wird. Es ist eines der wenigen Häuser, die im vorigen Jahrhundert durch den lippischen Landbaumeister Wilhelm Tappe in Lehmkuppel-Bauweise errichtet wurden. Die Wände bestehen aus Lehmsteinen. Das Innere ist mit 6 Kreuzgewölben bis unter die Dachbalken spitzbogig zulaufend. Tappe wollte hier eine höchst feuersichere Bauart einführen, was ihm jedoch nicht gelungen ist, weil die Häuser relativ schnell baufällig wurden.

Als um 1800 die Linien Hellinghausen und Overhagen ausstarben, fielen diese Güter an die Linie Herringhausen, die damit den Familienbesitz wieder vereinigte.


Burghard Freiherr von Schorlemer-Alst, * 20.10.1825, † 17.03.1895 in Alst

Am 20.10.1825 wurde der später als Westfälischer Bauernkönig bekanntgewordene Freiherr Burghard von Schorlemer-Alst auf Schloss Herringhausen geboren. Ihm zu Ehren trägt die Straße zum Schloss den Namen „Schorlemer Allee“. Er war ar nicht nur der Gründer des „Westfälischen Bauernvereins“, sondern auch Initiator der ländlichen Genossenschaftsbewegung in Westfalen. Nach einer Offiziersausbildung kaufte er 1852 das Rittergut Alst bei Horstmar.

Schorlemer-Alst lernte bei der Mitwirkung in einer Bonitierungskomission die Sorgen der Landwirte aus unmittelbarer Nähe kennen. Nach seiner Auffassung fand die zahlenmäßig starke Bevölkerungsgruppe der Landwirtschaft nicht entsprechende gesellschaftliche Beachtung; daher gründete er 1862 den ersten Bauernverein für den Kreis Steinfurt und 1871 für ganz Westfalen. Dieser berufsständische politisch unabhängige Verband vertrat die Interessen der ländlichen Bevölkerung. Besondere Anliegen von Schorlemer-Alst waren das Anerbenrecht, die Feuer- und Lebensversicherung, Ausbildung der Landwirte in Winterschulen, der gemeinschaftliche Warenbezug sowie Förderung und Ausbau einer genossenschaftlichen Geld- und Kreditversorgung.

Bei aller politischen Neutralität des Bauernvereins war Schorlemer-Alst eine politische Kämpfernatur. Er war Vorsitzender des Zentrums im Preußischen Landtag, später Reichstagsabgeordneter und im Kulturkampf ein erbitterter Gegner Bismarcks.

Er war als Vorsitzender des Verbandsausschusses erster Präsident der westfälischen Genossenschaften. Ebenso führte er viele Jahre in Personalunion den Westfälischen Provinzialverein, Vorläufer der Landwirtschaftskammer.

Begründer der Linie Herringhausen war Friedrich Clemens Freiherr v. Schorlemer (1815-1885), der mit Ferdinande Freiin v. Fürstenberg verheiratet war. Friedrich Clemens v. Schorlemer war Ehrenritter des souveränen Malteser-Ritterordens. Seine Nachfolge trat sein Sohn Friedrich (1842-1925) an, der mit Marie Gräfin Strachwitz v. Groß-Zauche und Camminetz (1854-1925) aus Schlesien verheiratet war. Der älteste Sohn aus dieser Ehe, Fiedrich Ludwig (1878-1948), erbte Overhagen, Herringhausen und Hellinghausen und war ebenfalls Ehrenritter des souveränen Malteser-Ritterordens. Er war verheiratet mit Marie-Agnes Gräfin von Plettenberg vom benachbarten Hovestadt. Aus dieser Ehe gingen vier Kinder hervor. Klemens Freiherr v. Schorlemer (geb. 1932) trat das Erbe seines Vaters an. Er ist seit 1966 mit Anna-Elisabeth Gräfin v. Mensdorff-Pouilly (geb. 1932) verheiratet.

Die Unterhaltung der denkmalgeschützten baulichen Anlagen erfordert von der Familie v. Schorlemer viel Kraft und Sachverstand. Der Familienbesitz wird liebevoll gepflegt und gleichzeitig ökonomisch genutzt.


St. Johannes in der Nähe von Schloss Herringhausen

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